Schon den ganzen Morgen über rätseln meine Geschwister und ich, was es denn mit diesem berühmten Männleinlaufen auf sich hat. Viel konnte uns unsere Mutter nicht darüber sagen, aber bald werden wir es genau erfahren, denn in einer viertel Stunde treffen wir uns mit unserem Onkel am Schönen Brunnen und dann wird er uns alles über das Männleinlaufen erzählen. "Kommt, wir müssen los!", ruft meine Schwester ganz aufgeregt, obwohl wir noch genug Zeit haben. Um aber auf keinen Fall zu spät zu kommen, fliegen wir halt doch schon ein bisschen früher los. Und weil es bis zum Schönen Brunnen am Hauptmarkt ja nicht so weit ist, kommen wir so sogar fünf Minuten früher an und suchen uns ein schönes Plätzchen auf dem Brunnengitter. Dort warten wir dann auf unseren Onkel, der pünktlich kurz darauf neben uns landet. Mit großer Vorfreude begrüßen wir ihn und können es kaum erwarten, bis es losgeht.

Gerade möchte ich Onkel Ambros fragen, wo genau das Männleinlaufen stattfindet, als er schon zur Uhr oben auf der Frauenkirche deutet und zu uns sagt: "Passt gut auf, meine Kleinen, jetzt geht es gleich los!" Schnell wenden wir unseren Blick nach dort oben und sind gespannt, was denn nun passiert. Die Kirchturmuhr schlägt viermal und noch zwölfmal, sonst jedoch ist nichts zu sehen. "Und wann laufen die Männlein?", fragt meine Schwester ganz ungeduldig. "Jetzt gleich...", antwortet Ambros und kaum hat er es gesagt, beginnt das Schauspiel. Man sieht Figuren mit Fanfaren und mit Glöckchen, die sich bewegen und dann gehen zwei Türen auf und es erklingen weitere Glockenschläge. Aus der rechten Tür kommen insgesamt sieben Figuren, die um die große Figur herumlaufen und dann wieder in der linken Tür verschwinden. Unser Onkel erklärt uns währenddessen: "Das sind die sieben Kurfürsten und der große auf dem Thron, das ist der Kaiser, vor dem sie sich verbeugen. Dreimal laufen sie jetzt um den Kaiser herum." Mit großen Augen sitzen wir auf dem Brunnengitter und verfolgen die ganze Vorführung. Nachdem die Kurfürsten ihre drei Runden um den Kaiser gedreht haben, schließen sich die Türen wieder und das Männleinlaufen ist vorbei.

"Und das ist jeden Tag?", möchte mein Bruder wissen. Ambros nickt mit dem Kopf und antwortet: "Ja, täglich um 12 Uhr." "Toll, dann können wir das ja noch öfter anschauen!", ruft meine Schwester, bevor wir uns dann alle gemeinsam auf den Rückweg machen und hinauf zum Sinwellturm fliegen. Dort erwartet uns unsere Mutter bereits zum Mittagessen und öffnet uns die Tür. "Das war ein schöner Ausflug!", sage ich dabei zu ihr und freue mich noch immer darüber, wieder etwas Neues über Nürnberg gelernt zu haben...