Auf meinem heutigen Ausflug vor dem Mittagessen bin ich mal wieder zusammen mit meinem Bruder unterwegs, der sich nach langem Überlegen dazu durchgerungen hat, dann doch mitzukommen statt zuhause zu bleiben und zu spielen. Seit ungefähr einer Stunde sind wir nun bereits unterwegs und meinem Bruder merkt man seit Längerem an, dass er sehnsüchtig darauf wartet, endlich etwas Spannendes zu erfahren. Als er es gar nicht mehr aushält, ruft er mir zu: "Nürby, wir müssen mehr dort hin, wo viele Touristen sind! Und vor allem müssen wie viel tiefer fliegen! Wenn wir nur hier oben über die Dächer der Stadt fliegen, dann bekommen wir doch gar nichts mit! Womöglich verpassen wir die ganzen interessanten Dinge!" Da muss ich ihm tatsächlich recht geben, hier oben über den Dächern Nürnbergs bekommt man von den Touristen nicht wirklich etwas mit. Wir waren zwar gleich zu Beginn kurz oben auf der Burgfreiung, aber von den paar Menschen, die zu dem Zeitpunkt dort waren, haben wir nichts Interessantes gehört.

So langsam müssen wir dann auch wieder zurück, aber ein wenig Zeit haben wir zum Glück noch. Also blicke ich nach unten und sehe schon gleich eine Gruppe Touristen, die sich gerade mit einem Stadtführer das Rathaus ansieht. Stadtführungen sind eine gute Chance auf interessante Geschichten, denke ich mir und weil natürlich auch ich neugierig bin, sage ich zu meinem Bruder: "Lass uns noch kurz dort unten auf der Bank neben der Touristengruppe landen. Da können wir gut zuhören, was der Mann zu erzählen hat. Und vielleicht hat er noch einen Tipp für uns..." Sogleich fliegen wir zu der Bank und setzen uns direkt hin. Wie es aber aussieht, sind wir zu spät und die Gruppe wird gleich weitergehen, denn unter den Zuhörern herrscht bereits eine gewisse Aufbruchstimmung und der Reiseleiter zeigt auch schon die Richtung an, in die es nun weitergehen soll.

"Und jetzt gehen wir zum Hauptmarkt. Dort ist gleich das berühmte Männleinlaufen...", sagt der Stadtführer zeitgleich zu der Menschengruppe und läuft mit einem Schild in der Hand los in Richtung Hauptmarkt. Gerne wäre ich noch mitgeflogen und hätte mir dieses Männleinlaufen auch angesehen, aber wir sind jetzt doch schon sehr spät dran. Deshalb sage ich zu meinem Bruder: "Komm, wir müssen los, sonst kommen wir zu spät zum Essen. Wir lassen uns dieses Männleinlaufen einfach mal von Onkel Ambros zeigen. Er kennt das bestimmt..." "Ja, das machen wir auf jeden Fall!", erwidert mein Bruder ein bisschen traurig, während wir uns uns auf den Rückweg hoch zum Sinwellturm machen, wo unsere Mutter schon mit dem Mittagessen auf uns wartet...