Für heute Nachmittag hat sich unser Onkel angekündigt. Nach seiner Arbeit will er dann zu uns kommen und uns die Stelle zeigen, wo das Pferd über den Burggraben gesprungen ist. Schon ganz gespannt darauf sitzen wir Kinder deshalb bereits abflugbereit in unserem Zimmer und spielen gemeinsam Karten, während wir darauf warten, dass Ambros endlich kommt. Als es ein paar Minuten später an der Tür klingelt, springe ich gleich auf und sage: "Das kann nur Onkel Ambros sein!" Und tatsächlich ruft unsere Mutter nur einen Augenblick später: "Kommt, meine lieben Kinder, euer Onkel ist da!" Sofort lassen wir sämtlich Karten liegen und rennen aus dem Kinderzimmer heraus. Um keine Zeit zu verlieren, rufen wir ihm bereits auf dem Weg zu ihm entgegen: "Hallo Onkel Ambros! Wir sind fertig, wir können schon los!" "Das ist toll, dann lasst uns auch gleich losfliegen...", erwidert Ambros und wenige Sekunden danach befinden wir uns alle zusammen in der Luft.

"Ich bin jetzt wirklich gespannt auf die Geschichte!", meint unsere Mutter und alle folgen wir Onkel Ambros Richtung Burggraben. Kurz darauf landet unser Onkel auf der Mauer neben der Jugendherberge und sagt: "Kommt zu mir, hier ist die Stelle. Genau hier ist das Pferd über den Burggraben gesprungen..." Neugierig setzen wir uns alle neben ihn und schauen über den Graben, woraufhin meine Schwester fragt: "Hier soll ein Pferd über den ganzen Burggraben gesprungen sein?" Ambros beginnt zu erzählen: "Ja, das war der Raubritter Eppelein von Gailingen, der zum Tode verurteilt wurde. Als letzten Wunsch vor seiner Hinrichtung hat er sich damals gewünscht, dass er nochmals auf seinem Pferd reiten darf. Und dann, dann ist er hier mit seinem Pferd über den Graben gesprungen und ist auf diese Weise entkommen."

Ungläubig blicken wir unseren Onkel an. "Aber das ist doch zu weit! So weit kann ein Pferd doch gar nicht springen!", stelle ich voller Erstaunen fest. "Doch, das war ein ganz großer Sprung und es gibt sogar einen Beweis...", entgegnet Onkel Ambros, deutet vor sich auf die Mauer und spricht dann weiter: "...hier sieht man nämlich noch den Abdruck der Hufeisen des Pferdes!" Jetzt ist das Erstaunen bei uns allen noch größer und wir sind allesamt sprachlos, denn da ist tatsächlich der Abdruck von Hufeisen auf der Mauer zu sehen! Was man in Nürnberg nicht so alles finden kann, denke ich mir und freue mich schon darauf, bald noch viel mehr zu entdecken...