Am liebsten würde ich ja ständig fliegen, denn es macht mir so viel Spaß. Bisher dürfen wir allerdings noch nicht alleine raus. "Das ist noch viel zu gefährlich für euch!", verdeutlicht unsere Mutter uns das immer aufs Neue. Und aus diesem Grund muss ich dann immer warten, bis unsere Eltern oder Onkel Ambros Zeit haben, mit uns fliegen. Heute Nachmittag ist es wieder soweit, denn unser Onkel hat sich für einen Trainingsflug mit uns extra einen Tag Urlaub genommen. Seit den frühen Morgenstunden freue ich mich schon darauf und bin lange vor der vereinbarten Uhrzeit bereit zum Abflug.

Mit ein paar Minuten Verspätung kommt Ambros zu unserem Nest, um meine Geschwister und mich abzuholen. "Tut mir leid, meine Kleinen, dass ich mich ein bisschen verspätet habe. Ich weiß, wie sehr ihr euch auf den Ausflug freut, aber ich habe auf dem Weg hierher noch eine wichtige Neuigkeit erfahren.", entschuldigt er sich. "Was denn für eine Neuigkeit?", frage ich ihn ganz aufgeregt. "Das wird eine Überraschung!", entgegnet er sofort. Normalerweise hätte ich mich jetzt wohl mit dieser Antwort nicht so schnell zufrieden gegeben, aber die Möglichkeit, jetzt gleich loszufliegen, übertrumpft meine Neugierde dann doch.

"Auf geht´s!", sagt Onkel Ambros und fliegt los. Mit lauten Freudenschreien folgen wir ihm und drehen zunächst zwei Runden um den Sinwellturm, ehe wir Richtung Burggarten weiterfliegen. Dort angekommen machen wir erstmal Rast auf der Burgmauer. "Schaut mal, wie viele Menschen da unten im Burggraben spazieren gehen.", stellt meine Schwester fest. Und in der Tat waren da wesentlich mehr Menschen unterwegs als dies in den letzten Tagen der Fall war. "Ja, heute ist auch wirklich ein schöner Tag für einen Spaziergang, denn im Sonnenschein ist es trotz der niedrigen Temperaturen noch ganz angenehm.", antwortet Onkel Ambros. "Aber wir sollten jetzt noch ein bisschen fliegen üben, oder?", sieht er uns an und fliegt auch schon los, ohne eine Antwort abzuwarten. "Auf jeden Fall!", pflichte ich ihm bei und wir machen uns alle wieder auf den Weg. Fast eine Stunde ziehen wir noch unsere Kreise über dem Burggarten, nur selten unterbrochen von kleinen Verschnaufpausen, und trainieren dabei verschiedene Flugmanöver, die wir für ein sicheres Fliegen beherrschen müssen. Es wird schon langsam dunkel, als wir freudig aber doch ziemlich erschöpft zu unserem Nest zurückkehren, wo wir schon ungeduldig zum Abendessen erwartet werden.

"Das habt ihr echt gut gemacht!", werden wir von Ambros im Beisein unserer Eltern gelobt. "Wenn sie so weiter machen, dann sind sie bald reif für die praktische Flugprüfung.", richtet er sich noch an unsere Mutter. Das höre ich gerne und beginne schon wieder davon zu träumen, endlich alleine fliegen zu dürfen...