„Was sitzt du denn hier alleine im Nest?“, fragt mich Ambros schmunzelnd. Er weiß doch ganz genau, dass meine Familie bei der alten Taube im Innenhof der Burg zu Besuch ist. Die alte Dame hat heute Geburtstag. Sie ist zwar sehr nett, doch leider sehr vergesslich. Bei ihrem letzten Besuch bei uns fragte sie mich ständig nach meinem Namen. Aber nicht vier oder fünf mal, nein, es waren bestimmt 20, wenn nicht sogar 30 mal - und das in wohlgemerkt nicht mal drei Stunden! Und dazu erzählte sie uns auch noch immer die gleiche Geschichte von ihrem Hut, der ihr vor ein paar Jahren von einem Windstoß vom Kopf geweht wurde. Es war ihr Lieblingshut, trichterte sie uns immer wieder ein. Wir durften uns diese Geschichte ganze fünf mal anhören, als wir letztes Mal bei ihr waren. Darauf hatte ich heute einfach keine Lust!

„Stattdessen Lust auf einen kleinen Ausflug, mein Kleiner?“ Und ob ich das habe. Ich nicke erfreut. „Dann komm mal mit.“, meint mein Onkel, und rauscht sofort los. „Wohin fliegen wir?“, bringe ich keuchend hervor. Amros scheint es ziemlich eilig zu haben. „In den Burggarten, da gibt es immer viel zu entdecken!“. Keine drei Minuten später lassen wir uns auf einer alten Eiche nieder, von der wir einen wunderbaren Blick auf die Gartenanlage haben. „Hier sitze ich im Sommer gerne in den Abendstunden, nur wenige Besucher stören mich hier.“, erzählt mir Ambros.

Plötzlich raschelt es unter uns im Gebüsch. Ein seltsames Wesen mit einem feuerroten Fell kommt herausgehüpft und rennt schnell in die Mitte der Wiese. Es scheint etwas zu suchen, immer wieder springt es von einer Stelle zur nächsten. „Ambros, was ist das denn für ein seltsames Tier?“, frage ich meinen Onkel verwundert. Bevor er antworten kann, kommt plötzlich ein kleiner Junge auf das Tier zu. Und so schnell kann ich kaum schauen, so schnell flitzt das feuerrote Wesen zum nächststehenden Baum, klettert den Stamm hinauf und verschwindet blitzschnell in der Baumkrone. Ich bin sehr überrascht. „Das war ein Eichhörnchen.“, antwortet mir Ambros. „Komme diesen Tieren niemals zu nahe, wir stehen auf deren Speiseplan!“ Das macht mir Angst. „Dann möchte ich jetzt gerne wieder zurück nach Hause, meine Familie kommt auch bald zurück und dann gibt´s Abendessen." „OK, Nürby, fliegen wir zurück.", sagt mein Onkel und fliegt gleich los. Nur mit Mühe kann ich ihm folgen, so schnell saust er voran.

Als wir im Nest ankommen, sagt Ambros: „Nürby, unser Ausflug heute bleibt unser Geheimnis, ja?" „Na klar, Onkel Ambros!", verspreche ich ihm. Ambros macht sich daraufhin auch auf den Weg zu sich nach Hause und ich freue mich schon auf unsere nächste Tour als meine Familie mir beim Abendessen von dem Besuch bei der alten Dame erzählt...