"Mama, Mama! Ich muss dir was erzählen!", flattere ich ganz aufgeregt hin und her. "Was ist denn los, Nürby? Du bekommst ja kaum Luft vor lauter Aufregung.", antwortet meine Mutter und wirkt jetzt auch ganz nervös. "Du, Mama, es war gestern so wundervoll auf dem Christkindlesmarkt! Onkel Ambros hat uns alles gezeigt. Und weißt du, es gibt dort so viel Leckeres zu essen. Wir haben uns dann einen Platz gesucht, von dem aus wir die Menschen gut beobachten konnten. Und wenn wir gesehen haben, dass etwas heruntergefallen ist, dann sind wir schnell hingeflogen und haben nachgeschaut, was es war. Onkel Ambros hat gemeint, dass es ein guter Tag mit großer Ausbeute war. Ich habe zwar keinen Vergleich, da ich ja vorher noch nie so richtig dort war, aber ich habe auf jeden Fall ganz viel probieren können: Gebrannte Mandeln und Nüsse, Bratwürste, ja sogar Lebkuchen waren dabei. Es war einfach ein absolutes Schlemmer-Paradies!"

"Das ist schön, dass es dir so sehr gefallen hat, mein Kleiner! Ich freue mich für dich!", versucht meine Mutter mich ein bisschen in meinem Eifer des Erzählens zu bremsen. "Du weißt aber, dass es immer sehr gefährlich ist, wenn so viele Menschen unterwegs sind...", fährt sie mit ermahnender Stimme fort. "Ja, Mama, das weiß ich! Mach dir keine Sorgen, ich passe gut auf! Und außerdem waren wir doch nicht alleine unterwegs, sondern mit Onkel Ambros...", versuche ich meine Mutter zu beruhigen. Man merkt ihr ihre Angst förmlich an. Aber ich kann sie auch verstehen, dass sie sich so große Sorgen um ihre Kinder macht, schließlich sind wir noch so klein und in so großen Menschenansammlungen ist es wirklich immer sehr gefährlich. Man muss schon gut aufpassen, aber das mache ich ja.

Ich merke, dass meine Mutter es mittlerweile eilig hat. Sie trifft sich doch heute Nachmittag noch mit der alten Dame, die vor Kurzem Geburtstag hatte. Auch mich hat sie gefragt, ob ich denn mitkommen möchte, aber ich bleibe dann doch lieber zuhause. Vielleicht kommt ja auch Onkel Ambros wieder vorbei. Und dabei gäbe es bestimmt mehr zu erleben, als bei der alten Taube. "Mama, Onkel Ambros hat gesagt, dass der Christkindlesmarkt nur noch zwei Wochen dauert. Stimmt das?", erkundige ich mich. Gerne würde ich nämlich nochmal dorthin fliegen, denn es war so schön dort. "Ja, das stimmt. An Heiligabend ist der letzte Tag.", antwortet sie mir schon fertig zum Abflug. "Das ist schade. Aber vielleicht schaffen wir es noch, alle zusammen dorthin zu fliegen?", rufe ich meiner Mutter hinterher, denn so schnell konnte ich gar nichts sagen, so schnell ist sie losgeflogen. "Wir werden sehen, Nürby! Jetzt wünsche ich dir erstmal einen schönen Nachmittag. Bis bald!", kommt ihre Antwort immer leiser werdend bei mir an. Sehr schön wäre es, wenn es klappen würde, denke ich mir und träume währenddessen von gebrannten Mandeln und Nüssen, Bratwürsten und Lebkuchen...