Wie eigentlich jede Woche ist unsere Mutter auch heute wieder in ihrem Singkreis und kommt erst in einer Stunde zurück nach Hause. Derweil sitzen meine Geschwister und ich in unserem Kinderzimmer und überlegen, was wir denn solange machen sollen. Ich würde ja gerne raus und fliegen, doch dieser Vorschlag kommt nicht bei allen gut an. "Aber es ist doch so kalt da draußen!", bringt meine Schwester als Gegenargument vor. Sie möchte am liebsten zuhause im Warmen bleiben und Memory spielen. Was denn auch sonst, schließlich ist das ja ihr absolutes Lieblingsspiel, weil sie immer gewinnt, denke ich mir. Mein Bruder dagegen ist meiner Meinung und möchte auch gerne fliegen. Er versucht unsere Schwester zu überreden und sagt zu ihr: "Lass uns doch jetzt gemeinsam eine Runde fliegen und wenn Mama wieder von ihrem Singkreis zurück ist, dann können wir ja noch Memory spielen, wenn du dir das so sehr wünschst. Dann hat doch jeder etwas, was ihm Spaß macht, oder?"

"OK, so machen wir das!", lässt sich unsere Schwester darauf ein. Sie hat es wieder mal geschafft und es ist ihr schon anzusehen, wie sehr sie sich auf das anschließende Memory-Spiel freut. Dieses Grinsen im Gefühl des sicheren Sieges kann sie einfach schwer verbergen. Mein Bruder und ich lassen uns jedoch nichts anmerken, obwohl es uns natürlich schon ärgert, dass wir beim Memoryspielen keine Chance haben gegen sie.

"Auf geht´s! Worauf warten wir noch?", rufe ich und mache mich bereits auf den Weg zur Tür. Meine Geschwister folgen mir dann wenige Augenblicke später. "Es ist wirklich ganz schön kalt...", stelle ich fest, als wir nach draußen gehen, füge aber sofort noch dazu: "...aber wenn wir fliegen, dann wird uns schon warm!" "Richtig, Nürby, so ist das!", gibt mir mein Bruder recht und wir fliegen alle zusammen los. Fünfmal umrunden wir den Sinwellturm in großen Kreisen und fliegen anschließend noch einmal über die Jugendherberge, ehe wir nach knapp einer halben Stunde wieder im Nest landen. Bei der Kälte ist das Fliegen ganz schön anstrengend, denke ich mir und brauche eine Pause.

"Kommt, wir hören noch ein wenig, was die Touristen so zu erzählen haben.", schlage ich vor und suche schon mal einen guten Platz am Rande unseres Nestes. Auch mein Bruder und meine Schwester gesellen sich zu mir. So ein bisschen neugierig sind sie ja auch. Wir lauschen den Gesprächen und immer wieder hören wir, wie die Touristen vom Christkindlesmarkt schwärmen und dass es dort so leckere Sachen gibt. "Wir müssen auch unbedingt nochmal zum Christkindlesmarkt!", sage ich daraufhin zu meinen Geschwistern und bin in Gedanken schon auf dem Weg dorthin...