So lange habe ich auf diesen Moment hingefiebert und nun ist es endlich soweit: Zum ersten Mal werde ich heute nämlich alleine fliegen. Ohne Begleitung von Mutter oder Vater, ohne Onkel Ambros und sogar ohne meine Geschwister. Also wirklich ganz alleine. Leider bleibt nicht mehr allzu lange Zeit bis zum Mittagessen, so dass dieser erste Ausflug nur ein sehr kurzer sein wird, aber ich will einfach nicht bis nachmittags warten und schon jetzt mal ein bisschen raus. Das Wetter ist gerade richtig schön. Es ist zwar kalt, aber die Sonne scheint und wärmt die Luft ein wenig auf.

"Mama, ich fliege ein paar Runden über die Burg.", verabschiede ich mich von unserer Mutter, die gerade die Pizza für das Mittagessen vorbereitet, und mache mich bereit zum Abflug. "Wollen denn deine Geschwister gar nicht mit, mein Kleiner? Und denke bitte vor allem daran, dass du püntklich zum Mittagessen wieder hier bist.", kommt die Reaktion von ihr. "Nein, sie wollen beide nicht mitkommen. Sie haben wohl gestern ein bisschen zu viele Lebkuchen gegessen und fühlen sich deswegen heute nicht so gut.", antworte ich ihr und füge noch an: "In spätestens einer Stunde werde ich wieder zurück sein. Die leckere Pizza will ich mir doch nicht entgehen lassen..." "OK, ist in Ordnung, Nürby! Aber pass gut auf dich auf und halte dich brav an die vereinbarten Regeln!", höre ich die Antwort noch aus der Küche, als ich schon bei der Tür bin. "Ja, Mama, das mache ich. Versprochen!", rufe ich zurück und einen Augenblick später fliege ich schon los.

Dass Fliegen so schön ist, weiß ich ja schon lange, aber so alleine und unabhängig ist es doch gleich noch viel schöner. Es ist einfach ein absolut wundervolles Gefühl. Ich muss jetzt nicht mehr warten, bis jemand mit mir fliegt. Nein, ich darf jetzt immer alleine fliegen, schließlich habe ich meine praktische Flugprüfung bestanden. Und so fliege ich alleine durch die Lüfte und genieße diese Freiheit. Ein paar Runden über die Burg und eine Pause im Burggarten später, komme ich pünktlich zum Mittagessen wieder nach Hause. Kaum habe ich den ersten Bissen genommen, fange ich an zu träumen: Unser Nürnberg hat definitiv viel zu bieten und ich möchte das alles sehen. Ich habe da ja schon so viel gehört von den Touristen, die auf den Sinwellturm hinaufsteigen und Onkel Ambros hat mir ja auch schon ein paar Tipps gegeben, was man sich denn auf jeden Fall anschauen muss in Nürnberg. Doch alles zu seiner Zeit, das läuft mir nicht davon, denke ich mir und lasse mir die Pizza schmecken...