Gestern Abend habe ich ihn schon gesehen. Unsere Mutter hat zwar versucht, dass niemand von uns etwas merkt, aber so neugierig wie ich nun mal bin, ist es mir natürlich nicht verborgen geblieben, dass unsere Mutter nach dem Abendessen immer wieder ins Wohnzimmer und kurz danach wieder herausgeschlichen ist. Und dann habe ich vor dem Schlafengehen noch schnell einen Blick ins Wohnzimmer geworfen und da war er also, unser Adventskalender. Bunt und groß, mit vierundzwanzig Türchen. Noch sind die Türchen alle verschlossen, aber nicht mehr lange, denn ab heute geht´s ja los.

Ein Geheimnis ist der Adventskalender für uns Kinder heute beim Frühstück schon lange nicht mehr. Die Neuigkeit wurde noch gestern geteilt, als unsere Mutter nach unserer Gute-Nacht-Geschichte das Kinderzimmer verlassen hat. Und so verwundert es auch nicht weiter, dass ein jeder von uns der Erste sein möchte, der ein Türchen öffnen darf.  Meine Schwester beginnt: "Mama, darf ich heute das erste Türchen von unserem Adventskalender öffnen? Heute ist doch der 1. Dezember..." "Woher weißt du eigentlich, dass wir einen Adventskalender haben?", fragt unsere Mutter ganz verwundert. "Das, das, das hat mir Nürby gestern Abend gesagt...", stottert meine Schwester und fühlt sich sichtlich unwohl, dass sie mich gerade verraten hat. "Na das hätte ich mir ja denken können, dass dir das nicht entgeht, Nürby! Das nächste mal muss ich das wohl dann in der Nacht machen, wenn ihr schon alle ins Bett gegangen seid.", meint unsere Mutter und richtet sich dann wieder an meine Schwester: "Wenn deine Brüder nichts dagegen haben, dann darfst du gerne das erste Türchen öffnen. Aber es ist sowieso hinter jedem Türchen immer alles dreimal, damit jeder von euch auch jeden Tag etwas bekommt und ihr euch nicht streiten müsst."

"Darf ich?", fragt meine Schwester meinen Bruder und mich. "Klar, Schwesterchen!", sind wir beide uns einig und überlassen ihr das Öffnen. Noch nicht mal ganz fertig mit dem Frühstück springt sie auf, rennt zum Adventskalender und öffnet das Türchen mit der "1". "Super, heute gibt´s Schokoladenkugeln. Für jeden von uns eine. Die schmecken bestimmt lecker!", freut sie sich und verteilt die Kugeln an uns, als sie wieder zurück an den Tisch kommt. "Und morgen darf ich das Türchen öffnen.", meldet sich mein Bruder zu Wort. "Ja, das überlasse ich ganz euch, meine lieben Kinder! Aber streitet euch bitte nicht!", kommt die Antwort unserer Mutter.

"Nein, wir werden uns nicht streiten, versprochen!", beruhige ich sie gleich. Während wir gemeinsam den Tisch abräumen, fragt uns unsere Mutter: "Wie wäre es eigentlich, wenn wir morgen zusammen Lebkuchen und Plätzchen backen? Habt ihr Lust?" "Ja, das wäre schön!", antworten wir ihr alle zusammen und machen uns daraufhin auf den Weg in unser Kinderzimmer, um ein paar Trockenübungen zu absolvieren...