"Kinder, wir müssen los, sonst kommen wir zu spät und die guten Plätze sind schon alle besetzt!", ruft unsere Mutter aus der Küche heraus und fügt an: "Das Spektakel heute lassen sich nämlich nur die Wenigsten entgehen, da wird es richtig voll werden!" "Wir sind schon lange fertig und warten nur noch auf dich, Mama!", antworten wir ihr zusammen. "Sehr gut, dann lasst uns losfliegen...", hören wir sie als sie aus der Küche stürmt und eilig zur Tür rennt.

Keine Minute später sind wir schon in der Luft. Wieder vorbei an Fembohaus und Rathaus - den Weg kennen wir mittlerweile schon ganz gut. Am Hauptmarkt angekommen liegt er vor uns, der Nürnberger Christkindlesmarkt. "Wow, wie das alles leuchtet! Und die vielen Menschen...", sagt meine Schwester und wir landen auf dem Gitter des Schönen Brunnens. "Bleiben wir hier? Von hier aus hat man doch einen guten Blick zur Frauenkirche, oder?", frage ich unsere Mutter. "Nein, Nürby, ich kenne da einen viel besseren Platz!", erwidert sie und fliegt schon gleich weiter in die Mitte des Hauptmarktes zu einem Podest, auf dem Kameras und Mikrofone stehen. "Wir haben Glück, hier ist noch Platz für uns!", sagt unsere Mutter und lässt sich direkt am Rand der Plattform nieder. Wir drängeln uns neben sie, denn viel Platz ist es nicht mehr, der hier frei ist. Es scheint ein sehr beliebter Platz zu sein, denn hier sitzen dicht an dicht gedrängt noch viele andere Spatzen-Familien mit ihren Kindern. Ganz aufgeregt frage ich: "Wann geht´s denn los, Mama?"

Im selben Moment gehen die vielen Lichter auf dem Platz aus. "Jetzt!", kommt ihre Antwort, die ich aber schon gar nicht mehr richtig wahrnehme. Vielzu gespannt schaue ich nach vorne. Plötzlich erklingen Fanfaren, ein Kinderchor singt ein Lied und die Empore der Frauenkirche wird hell erleuchtet. Da steht es nun, das Christkind, in goldenem Kleid, mit Flügeln und Krone. "Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart,...", fängt es den Vortrag an. Aufmerksam lauschen wir alle den Worten und sind überwältigt von dieser Situation. Onkel Ambros hat uns auch schon von der Eröffnung des Christkindlesmarktes vorgeschwärmt, aber es selbst zu erleben, ist doch nochmal schöner. Als das Christkind fertig ist applaudieren die vielen Menschen und der Kinderchor trägt ein weiteres Lied vor. Es ist wirklich toll!

"Das war´s, meine lieben Kinder! Lasst uns nach Hause fliegen! Und bleibt dabei bitte immer schön in meiner Nähe!", flattert unsere Mutter kurz auf ihrem Platz auf und ab, bevor wir gemeinsam losfliegen. Noch auf dem Rückweg sind wir alle ganz sprachlos. Das war also der berühmte Prolog, mit dem das Christkind jedes Jahr den Christkindlesmarkt eröffnet. Das hat uns unsere Mutter heute Nachmittag noch erzählt. Sie kann ihn sogar auswendig. Und das nehme ich mir nach diesem Erlebnis nun auch vor...