Kurz nach dem Frühstück machen meine Geschwister und ich uns zusammen mit unserer Mutter auf den Weg zum Hauptmarkt. Wir wollen uns heute den Schönen Brunnen aus der Nähe anschauen. Eigentlich wollten wir das ja schon am Montag machen, aber meine Schwester hat sich bei unserem letzten Ausflug mit Onkel Ambros erkältet, so dass wir es dann verschoben haben. Vorbei am Fembohaus und am Rathaus fliegen wir also hinunter direkt auf den Schönen Brunnen zu. "Der ist ja richtig schön geworden! Da hat es sich doch gelohnt, so lange zu warten!", stellt unsere Mutter verzückt fest als wir auf dem Gitter landen, das den Brunnen umgibt. "Ja, und das viele Gold, das glänzt so schön in der Sonne!", freut sich meine Schwester. Teilweise glänzt es sogar so sehr, dass man richtig geblendet wird davon.

Während wir auf dem Brunnengitter einmal um den Brunnen herumhüpfen, erzählt uns unsere Mutter nochmal davon, dass der Schöne Brunnen ja jetzt so lange Zeit verdeckt war und dass er vorher nicht so schön geglänzt hat. Zu sehr hatte ihm die Witterung in den letzten Jahrzehnten zugesetzt. Umso mehr sind wir jetzt allesamt begeistert von dem, was wir da vor uns sehen. Leuchtende Farben: Grün, Rot, Gold. Voller Freude sage ich zu meinen Geschwistern: "Der beleuchtete Brunnen letzte Woche war ja schon wunderschön und eine echt tolle Überraschung von unserem Onkel, aber im Sonnenlicht ist das Ganze doch gleich nochmal viel schöner!" Kopfnickend stimmt mir mein Bruder zu: "Ja, der schöne Schöne Brunnen! Also der Name passt auf jeden Fall!"

"Kommt, meine lieben Kinder, wir fliegen wieder nach Hause. Heute nachmittag habe ich doch meinen Singkreis. Da möchte ich auf keinen Fall zu spät kommen. Und Mittagessen wollt ihr bestimmt vorher auch noch, oder?", ruft uns unsere Mutter zu. Gerne hätte ich mir die vielen bunten Figuren am Schönen Brunnen noch ein bisschen genauer angeschaut, aber dann mache ich das eben ein andermal. Vielleicht erklärt Onkel Ambros mir ja auch irgendwann, was es mit den verschiedenen Figuren auf sich hat. Er weiß das bestimmt, denn er ist ja so oft in der Stadt unterwegs und hat auch schon viele Stadtführungen mitgemacht. "Ja, ich habe schon großen Hunger!", antwort mein Bruder und nach einem letzten Blick über die rot-weißen Dächer der Christkindlesmarktbuden machen wir uns auf den Rückweg hoch zum Sinwellturm auf der Nürnberger Burg...